Kö(f) 5710ff Spezial

Die Kleinlokomotiven Kö(f) 5710 bis 5756 der Deutschen Reichsbahn.

Ein erster geschichtlicher Überblick

Von Axel Klatt / Matthias Nieke


Kleinlokomotiven haben in den letzten Jahren eine breite publizistische Würdigung erfahren. In der Fülle bisher erschienener Kleinlokliteratur bildete die Nummernreihe Kö(f) 5710 bis 5755 – von der DR in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) bzw. der DDR zwischen 1946 und 1954 übernommene Maschinen unterschiedlicher Herkunft – jedoch einen „weißen Fleck“. Fehlende Daten durch die Kriegsereignisse, Um- und Neuaufbauten sowie die übliche Geheimhaltung trugen dazu bei. Die vorliegende – sicherlich nicht vollständige – Übersicht beruht auf Recherchen in Betriebsbüchern und weiteren bahnamtlichen Unterlagen, ergänzt durch Hinweise anderer Eisenbahnfreunde. Allen Beteiligten sei für ihre Unterstützung gedankt. Ergänzungen, Korrekturen und Hinweise zur Lokliste werden gern entgegengenommen.


Nach dem zweiten Weltkrieg übernahm die Deutsche Reichsbahn in der SBZ/DDR eine Reihe von Kleinloks der Leistungsgruppe II und reihte sie fortlaufend an die letzte belegte Nummer Kb 5709 als Kö(f) 5710ff ein. Die Herkunft der Fahrzeuge war unterschiedlich. Den Hauptteil bildeten für die Deutsche Wehrmacht (WM) oder kriegswichtige Betriebe gelieferte Maschinen, die im Laufe der Kriegsereignisse in die Hände der Roten Armee gelangt waren und ab 1946 von sowjetischen Besatzungstruppen oder deutschen Treuhandstellen an die DR übergeben wurden. Hierzu lassen sich u.a. die späteren Kö(f) 5712, 5713, 5714, 5715, 5716, 5717, 5718, 5720, 5723, 5724, 5725, 5729, 5730, 5742, 5744, 5745, 5749, 5753(und sicher einige andere mehr) zuordnen. Weiterhin wurden ehemalige DRG-Fahrzeuge, die verkauft worden waren, eingereiht (Kb 5726). Kö 5722, Kö 5743 und Kö 5748 waren direkt von Reichsbahnausbesserungswerke bestellte Werkloks. Zwischen 1949 und 1951 gelangten von den verstaatlichten Privatbahnen weitere Kleinlokomotiven zur DR (Kö 5729, Kö 5732, Kö 5733, Kö 5736, Kö 5750, Kö 5752). Den Abschluß unserer Betrachtungen bilden zwei N3 aus Babelsberger Nachkriegsproduktion, die die DR-Nr. Kö 5754 und Kö 5755 erhielten. Da von beiden die Ursprungsbetriebsbücher verlorengingen und nur zweite Ausfertigungen existieren, kann nicht zweifelsfrei geklärt werden, ob die Maschinen direkt an die DR gingen, oder andere Erstbesitzer hatten. Die Herkunft der Kö 5756 ist unbekannt.  So unterschiedlich wie die Herkunft war auch die Technik der übernommenen Kleinloks. Neben Einheitskleinlokomotiven mit Räder- bzw. Flüssigkeitsgetriebe waren viele firmenintern typisierte Fahrzeuge von Schwartzkopff (LDF 110, LD 110), DWK (80B, 110B, 160B), Jung (VN 234), O&K, Deutz (A4M220R, F6M517R), Ardelt (NB150) und LKM Babelsberg (N3) vorhanden. Die eingebauten Dieselmotoren – u.a. von Deutz, DWK, Jung, Kämper, MAN, Maybach, MWM – wiesen
Leistungen von 40,5 kW bis 58,9 kW (55 bis 80 PS), 73,6 kW bis 78,8 kW (100 bis 107 PS) und 100,4 kW (150 PS; Köf 5713, Kö 5732) auf. Kb 5718, Kb 5726 – die ehemalige Kb 4320 – und Kbf 5753 besaßen Benzinmotor. Mit hydraulischer Kraftübertragung (Voith, Typ L33) waren ursprünglich die Köf 5711, 5712, 5714, 5715, 5720, 5723, 5725, 5734, 5737, 5738, 5740 bis 5742, 5747 und 5753 ausgerüstet, die übrigen mit mechanischem Getriebe (= Kö, Kb). Die Übertragung des Drehmomentes auf die Radsätze erfolgte bei Kö 5710, Köf 5713, Kö 5719, Kö 5744 bis Kö 5746 mit Blindwelle und Stangen, bei Kö 5742 mit Kette (auf einen Radsatz) und Stangen (zum zweiten Radsatz), bei allen (?) übrigen mit Ketten.   Bereits in den fünfziger Jahren begann die DR, die Fahrzeuge zu modernisieren und technisch den Einheitskleinloks anzugleichen. Die verschlissenen Originalmotoren ersetzte man durch neuentwickelte Dieselmotoren: Zunächst wurde der Vierzylinder-Viertakt-Dieselmotor 4KVD 18SRW aus Johannistal, später ausschließlich der Sechszylinder-Viertakt-Dieselmotor 6 KVD 14,5 SRW aus Schönebeck eingebaut. In diesem Zusammenhang erhielten Kb 5718, Kb 5726 (1960) und Kbf 5753 (1957) ebenfalls einen Dieselmotor (Umzeichnung in Kö 5718, Kö 5726, Köf 5753). Zwischen 1956 und 1962 erfolgte ein grundlegender Umbau etlicher Maschinen (Kö 5710, Köf 5742, Kö 5744 bis 5746), der praktisch einem Neubau gleichkam. Die Fahrzeuge erhielten u.a. Außenrahmen, vereinheitlichte Aufbauten und Kettenantrieb. Weitere Kleinloks (Kö 5743, Kö 5749 …) wurden unter Beibehaltung ihrer Antriebskonzeption äußerlich der Einheitsbauart angeglichen. Einige modernisierte DWK- und BMAG-Fahrzeuge behielten ihr abweichendes Äußeres jedoch weitgehend bei. Die nicht umgebauten „nichtnormalen“ Kleinloks wurden entweder bis Ende der fünfziger Jahre ausgemustert, als Werklokomotiven verkauft oder als Ersatzteilspender zum Neubau der Kleinlokserie Kö 4002″ bis 4032″ verwendet. Kö 5719 stand jedenfalls 1964 in Ursprungsausführung als Werklok 805-80-3 im RAW Wittenberge noch im Einsatz. Die leistungsmäßig nicht in diese Nummerngruppe gehörenden Köf 5713, Kö 5721 und Kö 5732 wurden umgezeichnet. Erstere in V16 043, später V16 075, letztere – wohl nur noch papiermäßig – in V15 002. Die Kö 5721 erhielt, auch wegen ihres Aussehns, die neue Nummer Kö 0304. Ein weiteres Kapitel dieser Kleinlok-Grupp stellt immer die Getriebebauart dar. Anfang der 50er Jahre wurden zunächst die mechanischen TAG-Getriebe einiger DWK-Loks durch Voith-Flüssigkeitsgetriebe L 33 ersetzt. Gründe hierfür waren die schlechte Eignung der TAG-Getriebe für den Rangierdienst und Ersatzteilprobleme. Bei der BMAG-Lok Kö 5727, der Jung-Lok Kö 5736 und Ruhrtaler-Lok Kö 5742 verfuhr man ebenso. Möglich wurde der Umbau, weil im Raw Dessau noch ein Lagervorrat von 12 Flüssigkeitsgetrieben existierte. Die Daten:

Kö 5727 xx.xx.5x

(Uz in Köf 5727)

Kö 5739 xx.xx.5x

(Uz in Köf 5739)

Kö 5729 30.01.56

(Uz in Köf 5729)

Kö 5742 xx.xx.5x

(Uz in Köf 5742)

Kö 5730 xx.xx.56

(Uz in Köf 5730)

Kö 5750 xx.xx.5x

(Uz in Köf 5750)

Kö 5736 xx.xx.5x

(Uz in Köf 5736)

Kö 5752 xx.xx.5x

(Uz in Köf 5752)

Umgekehrt baute man – beginnend 1960 bis zum Ende der 70er Jahre – zahlreiche Köf auf Einheitsrädergetriebe (Kö) um. Begründet wurde dieses damit, daß die orginalen Voith-Getriebe verschlissen waren und in der devisenschwachen DDR eine Ersatzbeschaffung nicht in Frage kam, die Einheitsrädergetriebe jedoch weitergebaut wurden (VEB Getriebewerk Gotha). Betriebliche Nachteile der Kö nahm man in Kauf.

So haben wir die paradoxe Situation, daß im Laufe der Zeit einige Kleinloks die Bauformen Kö->Köf->Kö aufwiesen (5742, 5750, 5752).

Bekannt sind folgende Umbaudaten von Flüssigkeits- auf Einheitsrädergetriebe:

Köf 5711 29.10.73 Köf 5741 12.02.75
Köf 5712 17.08.72 Köf 5742 21.01.76
Köf 5714 30.10.60

(Uz in Kö 5714)

Köf 5750 27.01.79
Köf 5715 31.10.67

(Uz in Kö 5715)

Köf 5752 31.08.78
Köf 5734 18.03.77 Köf 5753 14.08.73
Köf 5737 28.02.77

Heute steht aus dieser Reihe wohl nur noch 310 947 (ex Köf 5747) mit Flüssigkeitsgetriebe im Einsatz.

Die 310 955 (ex 100 955, ex Kö 5755) ist  von zwei Kleinloks vom Typ LKM N3. Aufnahme entstand im April 1994 im Bh Eisenach.   (Foto: Axel Klatt)

Bei Einführung des EDV-Nummernsystems der DR ab 01.07.1970 wurden die hier betrachteten Kleinloks in die Nummerngruppe 100.9 eingereiht. Zu jener Zeit standen noch 37 Maschinen im Einsatz (100 910…100 955). Ausmusterungen und Verkäufe reduzierten den Bestand weiter, so daß bei Einordnung in das DB-Nummernschema ab 01.10.1991 nur noch 26 Fahrzeuge berücksichtigt werden konnten (310 910…310 955). Mit Datum 30.06.95 zählen nur noch elf Kleinloks 310.9, nämlich 310 911, 912, 918, 924, 935, 941, 942, 944, 947, 948 und 951 zum Einsatzbestand. Weitere stehen auf „z“. Dazu gesellt sich Kö 5728, die als Wl 7 im Werk Halle/S. in Dienst steht.

Glücklicherweise bleiben einige Kleinloks der Reihe Kö(f) 5710 bis 5755 als Museumsfahrzeuge oder Denkmäler erhalten:

Kö 5712 Kö 5714 Kö 5722 Kö 5727 Köf 5729 Köf 5730 Kö 5731
Kö 5736 Kö 5743 Kö 5746 Kö 5750 Kö 5753 Kö 5755

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